One, Two, Three, Four.

Ein Einzählen, das unter die Haut geht. Ein Aufeinanderfolgen von Worten, das hoffen lässt. Eine Folge von Ausrufen, die mitreißt.

One, two, three, four.

So beginnt es. Eine Reise. Ein Abenteuer. Eine Liebe. Ein Abend, der in seiner Magie unbeschreiblich ist. Ein Konzert, das dich aus der Realität nimmt und du am Ende nicht mehr weißt, was in den letzten drei bis vier Stunden mit dir passiert ist. Freude, Tränen, Spaß. Gebrochene Herzen, Hoffnung, Freundschaft, Liebe. Widerstand, Aufruhr, Neuanfänge. Eine emotionale Achterbahnfahrt, die in ihrer Verrücktheit und Intensivität aber stets in purem Glück endet.


Der Weg bis dahin ist aufregend. Er beginnt mit Gerüchten, die einen aufwühlen und in ihrer Schnelllebigkeit und Kreativität auch ehrlich gesagt manchmal nerven. Vorhersagen, wage Vermutungen. Wann, wo und wie? Ist dann erstmal Gewissheit eingekehrt, geht der Wahnsinn erst richtig los. Mitbewohnerinnen werden gebeten, parallel am Rechner zu sitzen, emotionaler Ausnahmezustand. Aktualisieren, neu laden. An manchen Tagen ist die Sache innerhalb von wenigen Minuten geklärt. Und an manchen Tagen sitzt man 45 Minuten vor 2 Rechnern, und starrt hoffnungsvoll auf die Bildschirme, um doch noch aus der Warteschlange zum Bestellvorgang zu kommen. Kurz bevor man aufgibt, dann die Erlösung „Halt, komm zurück, warte, es lädt! – ich bin drin.“ Und dann tanzt man mal kurz vor völliger Euphorie durch die Wohnung. Irgendwie Normalität, wenn es um Tickets für Bruce Springsteen geht. Dinge, die man gern macht, so verrückt sie auch sind.


beitragsbild


Die Wochen und Monate vergehen. Die Karte liegt bereit. Es ist unmöglich still zu halten. Vorfreude. Was für ein Gefühl. Songs spielen lauter und gefühlt noch intensiver aus den Lautsprechern.

Und irgendwann kommt der Tag. Man ist angereist. Hunderte von Kilometern. Hat Urlaub und Geld nach der Tournee geplant. Man steht an, lernt liebenswerte Menschen kennen, tauscht sich aus, schließt Freundschaften. Es geht ins Stadion. Der erste Blick auf die Bühne jagt einem einen Schauer über den Rücken. So nah, nur noch wenige Stunden. Die strategische Suche nach dem Besten Platz vor der Bühne und dann heißt es einfach nur warten. Warten, warten, warten. Bis der Moment gekommen ist, auf den man so lange hin gefiebert hat.

Das erste Bandmitglied betritt die Bühne, und ein komplettes Stadion kann sich nicht mehr halten. Und als letztes kommt Bruce die Stufen hinauf. Ich weiß, dass dieser Moment für mich das Größte ist. Und genau aus diesem Grund fang ich da das erste Mal vor Freude an zu weinen.


dsc_1910


Mir ist bewusst, dass das für den ein oder anderen vollkommen übertrieben klingen mag und ich weiß, dass viele diese ganze Bruce-Sache belächeln, aber ich schreibe diesen Beitrag um zu erklären, was es ist. Weder schmeiße ich meine Unterwäsche auf die Bühne, noch läuft bei mir 24 Stunden am Tag Springsteen. Viele denken gern, ich sei ein übertriebenes Fan-Girl. Ich bin Fan. Definitiv. Sicherlich auch mehr als so manch anderer für irgendeinen Musiker, Band, etc. Aber das, was Bruce und seine Musik für mich ist, grenzt an eine Art Liebe, die man eigentlich nicht in Worte fassen kann. Und vielen wird der Zugang zu so einem Gefühl vielleicht auf immer verwehrt sein.

Songs, so ehrlich, dass sie dich erstarren lassen. Texte, die in Lebensgeschichten übergehen und dich mit jedem Wort auf eine Reise mitnehmen. Eine Band, die unbeschreibliche Tiefe in jedes Lied bringt. Und eine Stimme, wie keine Zweite.

Es ist eine Kombination, die dafür sorgt, dass kein anderer Musiker, keine andere Band an das rankommt, was Springsteen liefert und was dieser Sound in mir auslöst. Eine 40 jährige Karriere, so ehrlich, vielfältig und unermüdlich wie keine andere. Die Energie, die Springsteen und die E-Street Band bei einem Konzert loslassen, erschüttert dich noch viele Tage danach. Und an manchem Abend wird dieses eine Konzert, zu deinem Konzert. Auf einmal steht er wortwörtlich in greifbarer Nähe auf der Bühne, schaut dich an, und nimmt deine Hand. Für ihn ein Moment, wie er sie bei jedem Konzert auf’s Neue hat. Für dich ein Moment so groß, dass man es schwer begreifen kann. Nicht in Worten auszudrücken – so, wie jede einzelne Show, die ich bisher erleben durfte.


Bruce Springsteen feierte gestern seinen 67. Geburtstag.

67 Jahre.

Und er ist immer noch auf Tour, gibt immer noch 3 -4 -Stunden Konzerte und ist immer präsent. Jede Nacht belohnt er seine Fans für das, was sie auf sich nehmen, um ihn live zu erleben. Wir reisen um die Welt, geben teilweise unser letztes Geld, planen alles um die aktuelle Tour, stehen im strömenden Regen an. Aber jede Show hat ihre ganz eigene Magie. Kein Konzert ist wie das Nächste. Und nach 12 Jahren und 17 Konzerten würde ich es immer wieder tun. Diese Musik ist so viel mehr als nur Musik. Sie ist Rock’n’Roll. Sie ist pures Leben.

Ein Gedanke zu „One, Two, Three, Four.

  1. Oh ein Ehrenplatz in deinem Post 💙und du hast recht, dieser Nervenkitzel hat mich auch gepackt als wir da saßen und versuchten diese Tickets zu bekommen, was für ein Morgen 😊

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.